Dieser Moment, wenn deine Mutter mit dir meckert, weggeht und dann weiter mit sich selber redet.
Dieser Moment, wenn deine Mutter mit dir meckert, weggeht und dann weiter mit sich selber redet.
Meine liebe Ehefrau!
Im letzten Jahr habe ich mich 365-mal um Dich bemüht, nur 36-mal hatte ich Erfolg. Das ergibt einen Durchschnitt von 1-mal in 10 Tagen. Die Gründe für meine Misserfolge?
... und hier die Antwort:
Mein lieber Ehemann,
typisch für Dich, dass Du jetzt auch noch eine Statistik erstellst! Ich kann dazu nur sagen: für Deinen Misserfolg im letzten Jahr gibt es handfeste Gründe. Deshalb hier meine Erklärung:
52-mal war ich wirklich zu müde, weil ich in der Nacht zuvor aufgrund Deines Schnarchens kein Auge zugetan hatte.
35-mal war es wirklich zu warm oder zu kalt, weil der große Heimwerker sich zuvor wieder mal am Thermostat zu schaffen gemacht hatte.
25-mal hast Du nach Kneipe gestunken und mir ist die Lust vergangen.
43-mal wolltest Du nebenbei eine Sportübertragung sehen... dazu ist ja wohl kein Kommentar nötig!
93-mal hattest Du technische Probleme, aber schließlich werden wir beide nicht jünger; so was kann jedem passieren, und so schlimm ist das doch auch wieder nicht, Hasi!
28 mal hatten wir zuvor gestritten und Du hast Deinen Fehler nicht eingesehen,
47-mal warst Du nicht rasiert. Dazu kommt noch, dass Du 5mal zu früh warst, und als Du unseren Hochzeitstag wieder einmal vergessen hattest, habe ich ja wohl nicht zu Unrecht auf stur geschaltet!
Aber 36-mal hat es ja geklappt, und das reicht doch eigentlich für ein Jahr, oder nicht?
Treffen sich zwei Freunde.
Sagt der eine: "Hast Du morgen schon was vor?"
"Ja, ich fahre ins Grüne und lasse mit meinem Sohn einen Drachen steigen. Und Du?"
"Etwas ähnliches. Ich mache mit meiner Schwiegermutter eine Bergtour."
"Kekse", von Douglas Adams
"Folgendes ist einem echten Menschen tatsächlich
passiert, und dieser Mensch bin ich. Ich musste mit
dem Zug verreisen. Es war im April 1976 in Cambridge
in England. Ich war etwas zu früh auf dem Bahnhof,
weil ich mich in der Abfahrtszeit geirrt hatte. Also
kaufte ich mir eine Zeitung, um das Kreuzworträtsel zu
lösen, eine Tasse Kaffee und eine Packung Kekse.
Ich setzte mich an einen Tisch. Stellen Sie sich die
Szene bitte genau vor. Es ist sehr wichtig, dass Sie
sich ein deutliches Bild davon machen. Da ist der
Tisch, die Zeitung, die Tasse Kaffee, die Packung
Kekse. Mir gegenüber sitzt ein Mann, ein vollkommen
normal aussehender Mann in einem Straßenanzug und mit
einer Aktentasche. Er sah nicht so aus, als würde er
etwas Verrücktes machen. Doch dann machte er dies: Er
beugte sich plötzlich vor, griff sich die Packung
Kekse, riss sie auf, nahm einen Keks heraus und aß
ihn.
Das, muss ich gestehen, ist genau die Sorte Verhalten,
mit der Briten ganz schlecht umgehen können. Nichts in
unserer Herkunft, Ausbildung oder Erziehung lehrt uns,
wie man mit jemandem umgeht, der einem am helllichten
Tag gerade Kekse geklaut hat.
Sie wissen, was passieren würde, wenn das in South
Central Los Angeles geschehen wäre. Ganz schnell wären
Schüsse gefallen, Hubschrauber gelandet, CNN, na, Sie
wissen schon...
Aber schließlich tat ich das, was jeder heißblütige
Engländer getan hätte: Ich ignorierte es. Ich starrte
in die Zeitung, trank einen Schluck Kaffee, versuchte
mich vergeblich an dem Kreuzworträtsel und dachte: Was
soll ich bloß tun?
Schließlich dachte ich mir: Geht nicht anders, ich
muss einfach irgendetwas tun, und bemühte mich sehr
angestrengt, keine Notiz davon zu nehmen, dass das
Päckchen rätselhafterweise schon geöffnet war. Ich
nahm mir einen Keks.
Jetzt habe ich's ihm aber gezeigt, dachte ich. Doch
nein, denn einen Augenblick später tat er es wieder.
Er nahm sich sogar noch einen Keks.
Da ich schon beim ersten Mal nichts gesagt hatte, war
es beim zweiten Mal irgendwie noch schwieriger, das
Thema anzuschneiden. "Entschuldigen Sie, ich habe
zufällig bemerkt..."
Also wirklich, so geht das einfach nicht.
Aber so aßen wir die ganze Packung. Wenn ich sage, die
ganze Packung, meine ich, es waren im Ganzen etwa nur
acht Kekse, aber mir kam es wie eine Ewigkeit vor. Er
nahm sich einen Keks, ich nahm mir einen, er nahm sich
einen, ich nahm mir einen.
Als wir fertig waren, stand er endlich auf und ging
weg. Na schön, wir warfen einander vielsagende Blicke
zu, dann ging er weg, und ich atmete erleichtert auf
und lehnte mich zurück.
Wenig später fuhr mein Zug ein, ich trank schnell
meinen Kaffee aus, stand auf, nahm die Zeitung, und
unter der Zeitung lagen meine Kekse. Besonders gut
gefällt mir an dieser Geschichte die Vorstellung, dass
seit einem Vierteljahrhundert irgendwo in England ein
ganz normaler Mensch herumläuft, der genau dieselbe
Geschichte erlebt hat. Nur fehlt ihm die Pointe."
"Kekse", eine Anekdote von Douglas Adams, erzählt im
Rahmen einer Rede bei Embedded Systems, 2001.
Veröffentlicht in "Lachs im Zweifel", Heyne-Verlag
München. Abdruck mit freundlicher Genehmigung.